Die Solarthermieanlage – eine gute Investition?

August 29th, 2014

Wer heute Sonnenenergie für die eigene Immobilie nutzen möchte, der steht vor einer der Kernfragen in diesem Bereich: Solarthermie oder Photovoltaik. Oft kann aufgrund einer zu geringen verfügbaren Fläche nur eine der beiden Techniken genutzt werden. Wie die Entscheidung letztlich ausfallen wird, hängt von den eigenen Wünschen und Vorstellungen ab.

Mit dem neuen EEG ist die Photovoltaik Anlage erneut kritischen Fragen ausgeliefert. Die Herausforderung des noch besseren Eigenverbrauchs steht für viele klar im Vordergrund. Gleichzeitig sorgen die für viele als kompliziert empfundenen Vorgaben, dass eine PV-Anlage immer öfter als zu schwierig wahrgenommen wird. Eine Solarthermieanlage scheint hier eine gute Alternative zu sein, da sie vom EEG weitestgehend unbeeinflusst ist. Dennoch wird sie von vielen als nicht lohnenswert angesehen. Die Gründe hierfür sind vielseitig und sollen an dieser Stelle nicht weiter diskutiert werden. Stattdessen möchten wir einmal 5 Punkte, die für eine Solarthermieanlage sprechen nennen.

Punkt 1: Einfache Installation

Solarthermieanlagen sind im Vergleich zur Photovoltaikanlage “einfacher” gestrickt. Inzwischen gibt es deutschlandweit immer mehr Immobilienbesitzer, die ihre Anlage eigenverantwortlich installieren. Dies liegt nicht zuletzt an den Produkten, die sich intuitiv montieren lassen und vielen Solarsteuerungen mit bereits vorgefertigten Systemen. Letztere decken heute bereits derart viele Anlagenkonfigurationen ab, dass private Anlagenbesitzer diese in wenigen Schritten selbst einrichten und mit den notwendigen Daten versorgen können.

Punkt 2: Geringer Wartungsaufwand

Eine Solarthermieanlage ist eine Investition in die Zukunft und für mehr Unabhängigkeit. Neben den Investitionskosten sind jedoch die anfallenden Wartungskosten sowie der Aufwand ein wichtiger Entscheidungsgrund für oder gegen eine Anlage. Inzwischen gibt es verschiedene Modelle für eine solarthermische Anlage wobei jede damit wirbt, besonders wartungsfreundlich zu sein. Tatsächlich unterscheiden sich die Anlagen hier allerdings nur bedingt. Stattdessen gibt es verschiedene Vor- und Nachteile, die mal für die eine und mal für die andere Variante sprechen.

“einfache” Solarthermieanlage

• wird mit Solarflüssigkeit betrieben (Wasser bei Frostschutzfunktion ebenfalls möglich)
• Solarflüssigkeit wird am Kollektor erwärmt und gibt Wärme im Speicher ab
• Frostschutz durch Solarflüssigkeit, ergänzend Frostschutzfunktion Solarsteuerung

+ einfach zu installieren (meist ohne Spezialwerkzeug)
+ normaler Platzbedarf der einzelnen Komponenten
+ intuitiv zu bedienen

- Frostschutz der Solarflüssigkeit nur bis ca. -28°C (abh. Mischverhältnis)
- Auscracken der Solarflüssigkeit bei sehr häufiger Stagnation der Anlage


Drain Back Anlage

• wird mit Wasser oder Solarflüssigkeit betrieben
• Wasser wird am Kollektor erwärmt und gibt Wärme im Speicher ab
• Frostschutz durch Abschalten Anlage + Leerlaufen der Kollektoren

+ Frostschutz auch bei sehr niedrigen Temperaturen gegeben
+ kein Auscracken, da Wasser verwendet wird

- erhöhter Platzbedarf durch Auffanggefäß für Solarflüssigkeit
- komplizierter in der Installation aufgrund baulicher Voraussetzungen


Steam Back Anlage

• wird mit Heizungswasser oder Solarflüssigkeit betrieben
• Wasser wird am Kollektor erwärmt und gibt Wärme im Speicher ab

+ Frostschutz gegeben da Trägerflüssigkeit durch gesamte Heizanlage fließt
+ normaler Platzbedarf (im Aufbau mit “einfacher” Anlage vergleichbar)

- Korrosionsschutz muss gewährleistet werden
- Heizung arbeitet im Winter ggf. mehr, da hier Frostschutz mit sichergestellt wird

Punkt 3: Langfristige Investition

Die Produkte einer Solarthermieanlage sind heute so konzipiert, dass sie mit einer überzeugenden Lebensdauer aufwarten können. Die Anlage läuft damit nicht nur über Jahre hinweg, sondern muss nur grundlegend gewartet werden (siehe Punkt 2). Meist fällt hier nur die Überprüfung der Trägerflüssigkeit und eine allgemeine Wartung von Pumpe und Steuerung an.

Die Vakuumröhren der Kollektoren sind heute bereits so konzipiert, dass sie auch schwierigen Witterungsbedingungen standhalten können. Eventuelle Beschädigungen nach einem stärkeren Unwetter können zudem leicht an einer Verfärbung der Röhre erkannt werden. Die Anlage läuft dennoch weiter, es können aufgrund der meist trockenen Anbindung der Röhren auch einzelne Röhren schrittweise getauscht werden.

Punkt 4: Effizienz / Wirtschaftlichkeit

Das Thema Effizienz und Wirtschaftlichkeit einer Solarthermieanlage kann nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Aus diesem Grund fassen wir diese beiden Argumente zusammen.

Bereits jetzt arbeiten Solarthermieanlagen sehr effizient, wobei dies immer auch von der Auslegung der jeweiligen Anlage abhängig ist. Im Sommer kann eine ausreichend dimensionierte Anlage den Warmwasserbedarf beispielsweise gänzlich decken. Im Winter unterstützt sie die Heizung. Hier können ebenfalls hervorragende Leistungswerte erzielt werden. Je größer die Anlage dimensioniert ist, umso höher ist auch der Deckungsgrad der Anlage. Hier muss jedoch die Wirtschaftlichkeit im Blick behalten werden, um die Stagnationsrate nicht unnütz zu erhöhen. Eine optimal ausgelegte Anlage erreicht auch im Winter einen vernünftigen Deckungsgrad ohne im Sommer durchgehend in Stagnation zu gehen.

Punkt 5: Innovativ

Eine Solarthermieanlage ist innovativ. Auch heute noch. Dies zeigen nicht nur die vielen Möglichkeiten der Nutzung einer Solarthermieanlage sondern beispielsweise auch die sogenannten Innovationsförderungen. Natürlich ist für letztere eine kleine Anlage keinesfalls ausreichend.

Doch auch im “kleinen” Rahmen beispielsweise für ein Einfamilienhaus lässt sich eine solarthermische Anlage innovativ gestalten. Um den Deckungsgrad im Winter beispielsweise zu erhöhen, kann die Anlage größer dimensioniert werden. Um im Umkehrschluss die Stagnationsrate niedrig zu halten, wäre ein Pool als zusätzlicher Wärmeabnehmer im Sommer eine gute Idee. Gleichzeitig gibt es aber auch bereits Ideen, Produkte und Umsetzungen die Anlage im Sommer teilweise zu verschatten um so die Leistung in den sonnigen Monaten zu reduzieren. Alternativ wäre beispielsweise auch die Nutzung zur Klimatisierung der Räumlichkeiten eine weitere Anwendungsmöglichkeit.

Allein diese drei Beispiele zeigen das Potenzial der Solarthermieanlage. Es ist noch längst nicht ausgeschöpft.


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Kommentare

3 Kommentare to “Die Solarthermieanlage – eine gute Investition?”

  1. Roland Neumann Says:

    Die Sonnenplaner (www.sonnenplaner.com) beraten umfassend, erstellen ganzheitliche Konzepte und bieten Beides an: Photovoltaik sowie auch Solarthermieanlagen. Die im Artikel aufgeführten Vorteile einer ST-Anlage sind aus meiner Sicht irreführend bzw. realitätsfremd. Ein kurzes Statement dazu:
    1. Einfache Installation? Ich kenne keine Anlage, welche für einen Laien ohne einen Heizungsbauer zu installieren wäre. Doch die haben derart viel zu tun (zumind. die Guten) dass Termine nur schwer zu bekommen sind. Preise sind ein anderes Thema.
    2. Geringe Wartung? PV ist definitiv wartungsarmer als ST.
    3. Langfristige Investition? Hier ausgerechnet Vakuumröhren aufzuführen, obwohl diese in der Praxis deutlich empfindlicher sind als Hochleistungsflachkollektoren… – ich denke eine PV-Anlage wird eine Vakuumröhrenanlage überleben.
    4. Wirtschaftlichkeit? ST (z.B. eine sehr gute Anlage von Wagner&Co oder Solvis) amortisiert sich nur schwer innerhalb von 20 Jahren (in Abhängigkeit vom eingesparten Brennstoff). Eine PV-Anlage ist in ca. 10-15 Jahren durch. Leider – denn ich bin auch ein Fan von Solarthermieanlagen – allein schon wegen der Wirkungsgrade (bis 60% vs. 15-20% bei PV), dem geringen Flächenbedarf, der Verschattungstoleranz etc..
    5. Innovativ? Die Innovationen im Bereich der Solarthermie stagniert seit Jahren und betreffen meist Materialsubstitutionen um den (Kupfer)Preis in den Griff zu bekommen. Hingegen vermeldet die Stromerzeugung mit Photovoltaik jeden Monat Neuigkeiten. Auch schließen sich die Bemerkungen in Punkt 4 und 5 des Artikels aus. Entweder ich erhöhe die Deckungsrate im Winter und bekomme dadurch Stillstand im Sommer, oder ich dimensioniere sinnvoll auf die Übergangszeiten – kann dadurch aber im Winter nicht so viel ernten. Der Hinweis im Artikel auf einen Pool als Wärmevernichter (Abnehmer^^) kann nicht ernst gemeint sein.

  2. solar-wissen Says:

    Hallo Herr Neumann,

    danke für Ihre Ausführungen. Natürlich müssen Sie kein Fan von ST-Anlagen sein, jedoch möchten ich zu bedenken geben, dass es sich bei den von Ihnen gegebenen Argumenten meist um alte Vorurteile handelt. In der Vergangenheit hatte die Solarthermie im Vergleich zu einer PV-Anlage einige Nachteile, nicht zuletzt auch in den angebotenen Produkten und der Amortisierung der Anlagen. Dies hat sich bis heute allerdings deutlich gebessert. Bei der Berechnung der Amortisierung einer PV-Anlage fließt die Einspeisevergütung mit ein, ähnlich sollte es sich auch bei ST-Anlagen verhalten. Dadurch ist die Amortisierung innerhalb der 20 Jahre nicht mehr so schwierig wie von Ihnen beschrieben.

    In der Betrachtung der Wirtschaftlichkeit einer Anlage sollte dies ähnlich gesehen werden. Es ist leicht eine Anlage unwirtschaftlich zu nennen und vermutlich noch einfacher Sie unwirtschaftlich zu planen. Das sie deswegen von vornherein unwirtschaftlich sind, würde ich nicht unterschreiben. Die Solarthermie kann wirtschaftlich arbeiten wobei es hier immer auch auf Auslegung und Anwendung ankommt. Die Nutzung zur Erwärmung des Poolwassers ist eine reale und immer öfter genutzte Möglichkeit der Solarthermieanlage. Es gibt auch zahlreiche weitere Anwendungsmöglichkeiten unabhängig von der Brauchwassererwärmung, wobei ich hier nicht die Heizungsunterstützung benennen würde. Man kann eine Technik als innovativ bezeichnen, weil es immer wieder Meldungen zu besseren Materialien gibt. Eine Technik ist aber auch dann innovativ wenn sich immer mehr Möglichkeiten in der Anwendung finden. Von daher würde ich Solarthermie definitiv als innovativ bezeichnen, denn bisher sind auch hier sicherlich noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft.

    Viele Grüße
    Annett

  3. Patrick Says:

    Ich denke zu dem Punkt “innovativ” kann man bei Solarthermieanlagen auch noch die Eisheizung erwähnen, welche unter anderem die Solarthermie zur Generierung der Wärme verwendet und auch einen Ansatz darstellt, wie man durch Solarthermie generierte Wärme in Zukunft effizient speichern und auch im Winter verwenden kann. Die Eisheizung ist zwar noch in den Kindschuhen und am Anfang ihrer Entwicklung, zeigt aber denke ich, dass die Solarthermie durchaus innovativ ist und auch in der Zukunft Ihre Daseinsberechtigung hat und es auch noch neue Einsatzgebiete dafür zu entdecken gibt.

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