Wasser oder Glykol als Wärmeträger in Solarthermen?

Juni 29th, 2015

Kaum eine Frage wird so viel diskutiert wie jene nach der Auswahl des Wärmeträgers in Solarthermie Anlagen. Tatsächlich kann beides verwendet werden, wobei allerdings einige Punkte in der Konzeption der Solartherme beachtet werden müssen. Solarflüssigkeiten (Glykol-Wasser-Gemisch) schützen die Anlagen vor Frost aber gleichermaßen auch vor Korrosion. In Anlagen, die mit reinem Wasser betrieben werden, müssen Frostschutz und Korrossionsschutz also auf anderem Wege erreicht werden.

Glykol oder Wasser – ein Vergleich

Wasser ist für die Verwendung in Solarthermie Anlagen ideal. Es besitzt eine hervorragende Wärmekapazität und zirkuliert aufgrund seiner niedrigen Viskosität mühelos durch den Solarkreislauf. Schwachpunkte sind hier im Vergleich der nicht vorhandene Frostschutz sowie der fehlende Korrosionsschutz. Während sich letzterer durch Beigabe eines entsprechenden Schutzmittels erreichen lässt, muss für den Frostschutz ggf. die Konzeption der Anlage angepasst werden. Geeignet sind hier zum Beispiel sogenannte Drain Back Anlagen, in denen das Wasser im Frostfall komplett aus den Kollektoren abfließt. Vorteil dieser Anlagen: Sobald die Zieltemperatur im Speicher erreicht wurde oder aber der Temperaturunterschied zwischen Speicher und Kollektor zu gering ist, werden die Kollektoren ebenfalls entleert. Dadurch soll das Material geschont und die Effizienz der Anlage verbessert werden.

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Die sogenannte Solarflüssigkeit ist die Alternative zum Wasser in Solarthermie Anlagen. Bei ihr handelt es sich um ein Glykol-Wasser-Gemisch, welches die Wärmeträgereigenschaften des Wassers mit Frost- und Korrosionsschutz ergänzt. Da es sich nicht mehr um reines Wasser handelt, sind Wärmekapazität und Viskosität im Vergleich etwas schlechter aufgestellt. Die konkreten Eigenschaften der Flüssigkeit hängt dabei vom Mischungsverhältnis aber auch vom Hersteller ab und kann durchaus variieren. Die Zeitschrift Sonne, Wind & Wärme hat daher einmal einen Vergleich der verschiedenen Flüssigkeiten durchgeführt und eine Marktübersicht erstellt. Diese möchten wir Ihnen einmal in Auszügen vorstellen.

Fertig gemischte Solarflüssigkeit
In der Marktübersicht der Zeitschrift werden Flüssigkeiten unter anderem von den Herstellern Aqua-Concept, Wittig, Tyforop und Fragol miteinander vergleichen. Wichtige Vergleichspunkte sind dabei die Kollektortypen, für welche die Kollektoren gedacht oder ggf. auch entwickelt wurden (hier gibt es tatsächlich Unterschiede). Weitere Punkte sind natürlich der zu erwartende Frostschutz sowie die Wärmeleitfähigkeit der Trägerflüssigkeiten.

Aqua-Concept hat derzeit beispielsweise fünf verschiedene Wärmeträgerflüssigkeiten auf dem Markt, zwei Konzentrate und drei fertig gemischte Flüssigkeiten. Während der Eisflockenpunkt beim Konzentrat vom Mischungsverhältnis abhängt liegt er bei den Fertiggemischen bei -24°C (Coracon Sol 5HF) bzw. -28°C (Coracon Sol 5F). Als drittes Fertiggemisch hat Aqua-Concept nun auch die Solarflüssgiketi Coracon Sol EKO F auf den Markt gebracht, die besonders ölologisch ist und mit einem Eisflockenpunkt von -23°C zumindest mit der HF Flüssigkeit des Herstellers mithalten kann.

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Wittig dagegen hat zwar nur drei Flüssigkeiten, zwei Fertiggemische und ein Konzentrat, kann hier jedoch mit einem Frostschutz von -28°C (Glysofor Solar AF und Glysofor Solar HT) und -50°C beim Konzentrat Glysofor Solar überzeugen.

Ein ebenfalls immer wieder gern verwendeter Hersteller ist Tyforop mit den verschiedenen Tyfocor Flüssigkeiten. Mit den insgesamt 7 Wärmeträgerflüssigkeiten ist der Hersteller der zumindest in dieser Übersicht am breitesten aufgestellte Produzent. Angeboten werden zwei Konzentrate (Tyfocor L und Tyfocor L-eco) sowie 5 fertig gemischte Solarflüssigkeiten. Die Konzentrate werden jeweils nur für Flachkollektoren empfohlen während die fertig gemischten Flüssigkeiten für Röhrenkollektoren gedacht sind. Die Flüssigkeiten der beiden anderen genannten Hersteller sind jeweils für Flach- wie auch für Röhrenkollektoren geeignet.

Den vollständigen Vergleich der Wärmeträgerflüssigkeiten finden Sie in der aktuellen Juni-Ausgabe.

Was ist unterm Strich besser

Vergleicht man die Eigenschaften des Glykol-Gemischs mit jener von Wasser als Wärmeträgermedium in Solarthermen, dann lässt sich hier keine abschließende Entscheidung treffen. Vielmehr ist es eine Frage der eigenen Einstellung. Während Wasser in der Vergangenheit gern genutzt wurde, da es ökologischer ist als ein Glykol-Gemisch, haben die verschiedenen Hersteller auch hier bereits aufgeholt und ihr Sortiment entsprechend ausgebaut. Die Vor- und Nachteile der beiden Flüssigkeiten heben sich damit nahezu auf. Welche Variante entsprechend besser ist, resultiert aus der gewünschten Anlage, den zu erwartenden Frostwerten sowie der Stagnationswahrscheinlichkeit der Anlage. In besonders warmen Gebieten mit sehr geringem bzw. gar keinem Frost kann eine rein mit Wasser betriebene Anlage eine gute Alternative sein.


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